Sparerziehung der Sparkassen

Jugendliche und Geld - werbung der Sparkassen der 1950er und 1960er Jahre


Sparerziehung Poster: Jugendliche und Geld. Sparerziehung der Sparkassen. 1950er Jahre.
Sparerziehung: Wirf nicht Dein Geld hinaus ... (Jugendliche und ihre Hobbies) (Plakat der Sparkassen, 83 x 62 cm um 1957).
Sparerziehung: Poster der Sparkasse. Jugendlicher träumt. Sparkassenwerbung 1958.
Sparerziehung: Sparsame Jugend - glückliche Zukunft. Jugendsparwoche der Sparkassen 1958 (Plakat 83 x 62cm).
Sparerziehung der Sparkasse. Jugendliche und Geld.
Sparerziehung: Mach's gut! Prospekt der Zentralsparkasse für Jugendliche (Traimer um 1960).


Kinder von heute - Kunden von morgen!

 

Jugendliche wurden bereits in den 1950er von den Sparkassen vielseitig umworben - schließlich galten sie als die nächsten Kunden der Bank.

So wurden Jugendmagazine, Plakate, Prospekte, Zeugnismappen, Schülerkalender lanciert, Kinoabende, Feste veranstaltet und Rundfunk- und Fernsehsendungen produziert.

 

Spareziehung für Jugendliche vom Staat vorgegebenes Ziel

 

Diese Kunden wurden im wahrsten Sinne des Wortes zum Sparen erzogen. Über das Bundesministerium für Bildung und Kultur fand die Sparerziehung der Sparkassen ab den 1960er Jahren in Form des Wirtschaftsunterrichtes Eingan an den Schulen.

 

Einerseits wollte die Sparkassenwerbung so zeitgemäß als möglich am Jugendlichen sein andererseits gab man Ihnen kaum Freiheit selbst zu entscheiden.

 

Heinz Traimer - ein junger Grafiker erkennt die Jugendträume der 1950er Jahre

 

Der Sparkassen-Grafiker Heinz Traimer, der 1955 gerade einmal 34 Jahre alt war, hatte sicher wie sehr viele seiner Altersgenossen nach dem erlebten Weltkrieg den Wunsch, mit der Vergangenheit zu brechen und an der Stelle der vom NS-Staat propagierten „Helden“ neue Idole zu schaffen.

 

James Dean - Idol vieler Jugendlicher 

 

Nun kamen „lässige“ US-Amerikaner als Darsteller ins Kino, die wie James Dean 1956 in „…denn sie wissen nicht, was sie tun“[1] , sich gegen Elternhaus und Gesellschaft auflehnten. Der „American Way of Life“ war erstrebenswertes Vorbild für viele junge Menschen. [2] Die Jugend wurde also selbstbewusster und somit auch als Kunde für die Werbung interessant.

 

Sparer werden wählerische Konsumenten - Wirtschaftsaufschwung in Österreich

 

Der Umstand, dass der Konsum sich von Jahr zu Jahr mehr erholte [3] und auch einkommensschwächere Schichten sich etwas gönnen wollten, führte zu einem Umdenken in der Gestaltung der Anzeigen. Nun sollten sich nicht nur die Vermögenden etwas kaufen können, sondern auch der „Normalbürger“, was zu einer gewissen „Klassenlosigkeit“ der Produkts führen konnte.[4]


[1] Vgl. Abbildung des Filmplakats „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ in: Duvigneau (Hg.) 1982, S. 254.

[2] Vgl. Duvigneau (Hg.) 1982, S. 16-17.

[3] Vgl. Lechner 2000, S. 41.

[4] Vgl. Gallo 1975, S. 277.

 

Jugendträume 1955 - Schminke, Motorrad und Kleidung

 

Einige erste Zeichnungen Traimers aus den endenden 1950er Jahren zeigen Jugendliche und deren Wünsche. Bei jungen Männern war dies hauptsächlich das Motorrad oder Kleidung, bei jungen Frauen Kleidung und Kosmetikartikel.

 

So „brausen“ zum Beispiel zwei Jugendliche auf einer Vespa (Abb. 101) im Freien davon.

 

Wohnungsnot - Jugendliche sparen für eine eigene Wohnung und den Umzug

 

Später wurde diese Abbildung in der Broschüre „Wie komme ich als Jugendlicher zu einer Wohnung“ verwendet. Die Skizzen für den Prospekt zeigen die Missstände auf, mit denen die damaligen Jugendlichen leben mussten (Abb. 102-104). Der enge Wohnraum sorgt für Unbehagen.

Hintergrund für das emsige Sparen war, dass bei der „Z“ erst ab 1958[5] und in größerem Maßstab ab 1965 ein Privatkredit möglich war.[6] Das heißt, man konnte sich nicht einfach einen Kühlschrank aus dem Überziehungsrahmen eines eventuellen Kontos kaufen, sondern man musste sparen.



[5] Vgl. Masopust, Herbert, „Vom Hypothekendarlehen zur universellen Finanzierung: Die Geschichte des Kreditgeschäftes“. In: Haiden (Hg.) 2007, (155-178) S. 183.

[6] Vgl. Paleczny 2007, S. 137.

 

Text: Matthias Bechtle, Wien 2012.