Sparkassenwerbung: Prospekte

Verliebt, verlobt, verheiratet - Familiendarlehen der Sparkasse 1962


Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Prospect for young people. Savings Bank Advertising 1962.
Hochzeitskutsche auf der Titelseite des Prospektes (Heinz Traimer 1962).
Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Brautpaar. Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Brautpaar. Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Junges Paar 1960er Jahre.Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.
Junges Paar 1960er Jahre.Sparkassenwerbung: Prospekt "Familiendarlehen". Grafik von Heinz Traimer 1962.

Sparkassenwerbung: Geld für junge Paare 


Eine neue Form der Kreditnahme wurde von der „Zentralsparkasse“ ab 1962 beworben. Das „Familiendarlehen“ (Abb. 127) wurde geschaffen, welches sich explizit an junge Menschen, die heiraten werden oder bereits verheiratet sind, richtet.

Heinz Traimers Linie ist dabei ganz in violett, gelb, orange, weiß und schwarz gehalten. Mehrere Zeichnungen illustrieren den Falt­prospekt.

 

Hochzeitskutsche und Turteltäubchen 

 

Das gelbe Cover zeigt in einem violetten ovalen Medaillon die weiße Umriss­zeichnung einer Hochzeitskutsche vor einem kleinen Bäumchen. Braut und Bräutigam sitzen in der Kutsche, der Mann grüßt und die Frau ist im Profil zu sehen. Der Kutscher hält die Zügel hoch. Eilend in der Geschwindigkeit weht der Schleier der Braut, das Pferd streckt alle vier Beine von sich. Zwei Tauben, die als „Turteltäubchen“ angesehen werden dürften, krönen das Medaillon und rahmen eine 1 Schilling Münze von 1961. In drei runden Feldern, die ineinander verzahnt sind, steht „F“, „D“ und „Z“ (Familiendarlehen und Zentral­sparkasse), sie sind am unteren Rand des Ovals angebracht.

 

Eins und Eins das macht Zwei

 

Die Innengestaltung (Abb. 128) weist einen lila Hintergrund auf. Vier weiß hinterlegte Textfelder enthalten Angaben zur Idee des Familiendarlehens. Das Linke zitiert den „KURIER“ (Tageszeitung). Die anderen drei haben jeweils begleitende, gezeichnete Figuren und sind mit den Worten: „verliebt – verlobt – verheiratet“ übertitelt.

Mode der 1960er Jahre


Eine junge Dame ist modisch gekleidet mit Mantel, kurzem Rock und Handtasche. Der Mantel ist raffiniert ausgeführt. Sie scheint zu posieren. Der junge Herr mittig ist in einen Anzug gekleidet. Er hält neben dem Hut auch noch einen Blumenstrauß in seinen Händen, der in orangener Koloration hervorsticht. Des Kavaliers Blick gilt der jungen Frau. In der nächsten Darstellung sind beide zusammen als Brautpaar zu sehen. Bis auf Krawatte und Einstecktuch hat der Ehemann dasselbe an.

Die Braut hingegen trägt nun ein tailliertes Hochzeitskleid. Ein paar unterbrochene Linien deuten wohl Stickereien oder sonstige Verzierungen an. Erkennbar sind Schlaufen und eine Borte. An einer weißen Haube ist ein Schleier befestigt, der durch weiße Linien angedeutet sich vom Hintergrund abhebt. Die Arme der beiden sind ineinander verschlungen. Über die gesamte Breite am Boden verläuft eine Zierbordüre bestehend aus Blättern und Blümchen. Traimer verbindet wieder einmal mehr die Personen mit dem Hintergrund, indem er deren Kleidung und Haar nicht deckend malt. Obwohl die Darstellungsweise fern jeglichen Realismus ist, wirken sie trotzdem körperlich. Die Figuren, mit ihren viel zu groß geratenen Köpfen dienen wahrscheinlich dem schnellen Blickfang der vornehmlich weiblichen Betrachterinnen.

 

Sparerziehung für junge Frauen schmackhaft vermittelt 

 

Gerade die Frau als Verwalterin des Einkommens musste angesprochen und überzeugt werden. Die Farben Gelb und Violett sind für den Betrachter äußerst reizvoll. Das „Mädchen-Thema“ der romantischen Kutsche entspricht dem Klischee der Hochzeit. Selbstverständlich möchte die Bank auch nach der Hochzeit eine große Rolle im Leben eines umworbenen Paares spielen, daher tut sie gut daran, so früh wie möglich passende „Produkte“ wie das Familiendarlehen zu entwickeln.

 


Text: Matthias Bechtle.

Zitierweise: Bechtle, Matthias, Heinz Traimer, Diplomarbeit m.s. Universität Wien 2012, S. 91-92.