Bevor Sie verreisen (1958?)

Dienstleistungen der Zentralsparkasse zur Urlaubszeit


Bevor Sie verreisen ... Urlaubsservices der Zentralsparkasse. Werbeprospekt um 1960.
Bevor Sie verreisen ... Urlaubsservices der Zentralsparkasse. Werbeprospekt um 1960.


Aus dem Zeitraum vor 1960 wird der DIN A 4 große Prospekt (Abb. 113) sein, welcher für den Reiseservice der „Z“ wirbt.

Geschlossen zeigt es im Hochformat eine weiße Wohnungstüre und einen Mann mit Koffer. Er trägt ein Poloshirt. An einem Knopfloch seines Sakkos ist eine Blume befestigt. Der Koffer weist ein rautenförmiges Muster auf. Auf der Türe steht: „Bevor Sie verreisen…“. Im geöffneten Zustand sind nun neben dem Mann auch eine Frau und ein blonder Knabe zu sehen, die an einem Bankschalter für „Reisezahlungsmittel – für In- und Ausland“ stehen. Ein Bankmitarbeiter in Anzug (Krawatte und Einstecktuch) scheint die Familie zu empfangen. Seine Hand ist abgeschnitten und wird erst bei einem weiteren Umschlagen (Abb.114) sichtbar. Dort weist diese auf „Valuten und Devisen, Daueraufträge, Schließfächer, Schilling-Reiseschecks und Sparkassenbuch“ hin. Die Familie ist also im Aufbruch in die Urlaubsferien und schaut noch bei der Bank vorbei. Die Frau trägt einen grünen Mantel und ein rotes Kopftuch, sie ist geschminkt. Mit ihrer rechten Hand, in weißem Handschuh, weist sie auf den Bankangestellten hin. Der Knabe in kurzen Hosen hält seinen Kopf schräg. Wohin sein Blick geht, ist nicht feststellbar oder perspektivisch ungünstig dargestellt, sollte er dem Kassier gelten. Traimer setzt hier auf schwarze Umrisslinien und Farbfelder.

 

Die Umrisslinie selbst ist, und das kommt bei diesem Grafiker selten vor, nicht in einer sauberen Linie, sondern ausgefranst und verschieden breit gezeichnet worden. Eine Räumlichkeit entsteht durch den Koffer im rechten unteren Bildrand und einem Weiteren hinter dem Knaben sowie dem Tresen, hinter dem der Bankangestellte steht. Während die fast monochromen Farbflächen dominieren, verliert sich Traimer in der Gestaltung einzelner Partien, wie den Gesichtern oder des blauen Sakkos, die aufwendigere Schattenwürfe zeigen. Das satte Himbeer des Bodens und der helle fliederfarbene Hintergrund erzeugen einen unwirklichen Raum. Der seriöse Bankkaufmann kontrastiert in seinem Anzug zur Vielfarbigkeit der Kleidung der Familie, die dadurch sichtbar einem lockeren Lebensstil nachgehen wird.

 

Ein potentieller Kunde erfährt durch den Prospekt, dass er unbesorgt in den Urlaub fahren kann, derweil die Bank seine Wertgegenstände sicher verwahrt. Das Ziel der Bank ist selbstredend Geld durch die Vermietung von Safes einzuheben und nicht etwa der edle Schutz vor Verlust.

 

 

Bereits in den 1880er Jahren nutzte Vincent van Gogh für seine Arbeiten (Öl auf Leinwand) stark betonende Umrisslinien und eine leuchtende Farbpalette. Van Gogh konzentrierte sich oftmals auf einzelne Partien eines Bildes, wie beispielsweise das 1888 entstandene Porträt von Armand Roulin (Abb. 115) zeigt. Während der Künstler wert auf die Differenzierung des Gesichtes legte, kam der Kleidung des Porträtierten und dem Hintergrund nicht dieselbe Aufmerksamkeit zu Teil. Den Farbkontrast von gelb und grün mildert van Gogh, in dem er die Schattenwürfe der gelben Jacke mit dem grün des Hintergrundes gestaltet. Im Hinter-grund selbst schimmert gelb hindurch. Wenngleich mehr ausgearbeitet weist van Goghs Porträt „der Gymnasiast“ (Abb. 116), das einen blau gekleideten Jungen vor einem orange-roten Hintergrund zeigt, ähnliche Gestaltungsmerkmale auf, wie das Roulin-Porträt das ein Jahr vorher entstand. Sogar die Stuhllehne (?) weist eine betonende Umrisslinie in schwarz auf. Mit dem rotorange-hellblau-Kontrast wendet van Gogh zusätzlich Komplementärfarben an, die eine besondere Leuchtkraft des Bildes bewirken.

Paul Gauguin (1848-1903) , dessen Darstellungen tahitischer Frauen heute weltbekannt sind, wandte in den 1890er Jahren ebenfalls wie van Gogh eine leuchtende, oftmals reinbun-te Farbpalette an. Gauguin scheint hin- und hergerissen zu sein zwischen plastischer Model-lierung oder Verflachung von Figuren. Die Hintergründe werden meist nur mehr als Farbin-seln angedeutet. Beiden zueigen ist die Ferne zur realistischen Malerei. 1891 entstanden Gauguins „Frauen am Strand“ (Abb. 117) und 1893 die Frauendarstellung „Otahi“ (Abb. 118). Die durch schwarze Konturlinien betonten Figuren beherrschen die Bildfläche. Die Räume, in denen sie sich befinden, sind erahnbar und fast genauso flach wie ihre Körper. Die Farb-wahl dürfte die Betonung der damals für die Europäer „exotischen“ Frauen noch einmal zu-sätzlich verstärkt haben.

Wenige Jahre später wandten Grafiker wie Edward Penfield (Abb. 22), D. Whiteslaw (Abb. 23) Louis Rhead (Abb. 25), Julius Klinger oder Alfred Karpellus diese auffallenden Gestaltungs-merkmale der Malerei im Plakatbereich an.

Auch Traimer nutzte die Konturlinie, eine Reduktion der Körpermerkmale aufs Wesentliche, eine reinbunte Farbwahl und ein Verzichten auf Perspektive. Gerade die zwischen 1957-1967 entstanden Plakate weisen oftmals diese charakteristischen Merkmale auf.