Plakat: Wiener Sehenswürdigkeiten - Weltspartag

Plakat der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien um 1959


Plakat Wiener Sehenswuerdigkeiten ( Zentralsparkasse Wien. Weltspartag um 1958).
Weltspartag - Treffpunkt Zentralsparkasse. Plakat mit Wiener Sehenswürdigkeiten von Heinz Traimer um 1959.

Plakat mit Wienbezug

 

Vermutlich 1959 entstand das Weltspartags-Plakat „Treffpunkt in Wien“ (Abb. 84). Das Plakat zeigt die Aufrisse Wiener Sehenswürdigkeiten. Im Uhrzeigersinn befinden sich nacheinander die Karlskirche, Gloriette, Stephansdom, Riesenrad, Staatsoper und Grinzinger Häuser.

 

Violette und weiße Kreise wechseln sich ab. Im unteren rechten Eck befindet sich der kleinste Kreis, der ein lachsfarbenes Z (Zentralsparkasse) beinhaltet.

 

Reduzierte Architekturzeichnung

 

Die Gebäude wurden abstrahiert wiedergegeben und kommen nahezu ohne Perspektive aus. Optisch bildet das Z das Zentrum des Kreises, es ist dessen End- oder Anfangspunkt. Schwarz gerahmt ziehen sich schmale Textbänder mit der Werbebotschaft und den Ortsangaben durch das Plakat.

 

Mit Hilfe der Gebäude stellt Traimer einen Bezug zwischen Stadt und Sparkasse her. Er verzichtet dabei auffallenderweise auf Menschen und Geldmittel.

 

Während die Gebäudedarstellung recht detailliert ausfällt, wendet er beim Kastanienbaum die für ihn charakteristische spitzwinklige Dreiecksform zur Darstellung der Kastanienblüte an. Die freihändige Zeichnung zeichnet sich großenteils durch sorgsames Aneinandersetzen von Linien aus. An wenigen Stellen sind Verdichtungen auszumachen. Das Violett harmoniert mit den filigran gezeichneten Gebäuden ebenso wie die Textfelder.

 

Eine Bankwerbung oder doch ein Tourismusplakat?

 

Da dieses Plakat, durch Austauschen des Textes, ebenso gut eine Fremdenverkehrswerbung (Tourismus-Plakat) sein könnte, darf man hier den produktspezifischen Werbewert in Frage stellen. Die Ästhetik der Gesamtkomposition hingegen ist nicht zu bestreiten.

 

Ein zeitgemäßes Plakat

 

Im Vergleich zu vielen zeitgenössischen Grafikern dieser Jahre wendet Traimer hier keine expressionistische Strichführung wie beispielsweise Karl Staudinger an. Er orientiert sich eher an den gegebenen Proportionen der Gebäude, wie es ebenfalls Ernst Weil  zu eigen war. Die Architektur ist ansprechend filigran, geradezu gefällig dekorativ gehalten.

Kleine Architekturzeichnungen in Werbungen einzuarbeiten war in den 1950er Jahren nichts Ungewöhnliches. Vergleicht man Papier-Tapeten, also ein häufig vorkommendes Auststattungs-Material miteinander, so kommen sogar erstaunlich viele Muster mit Aufrissen vor.Eines dieser Muster (Abb. unten) zeigt verschiedene europäische Sehenswürdigkeiten, unter anderem katalanische Architektur, den Athena-Tempel (Athen) oder die Kirche Sacre Coeur (Paris) kombiniert mit (klischeehaften) Figuren. Ähnlichkeit mit Heinz Traimers Zeichenstil weist eine Tapete (Abb. unten) mit weißer und grauer Zeichnung auf monochromen Hintergrund auf. Die italienische Szenerie verdichtet bekannte Bauten des Landes auf engstem Raum. Es existieren zahlreiche Überschneidungen der Figuren und Bauwerke. Wichtig ist hier ebenfalls, dass es keine mit dem Lineal gezogenen Linien sind und dadurch ein lebendiger, unmittelbarer Eindruck entsteht. Nicht ganz gelingt es dem Grafiker (?) der Tapete, die Perspektive wegzulassen (Dogenpalast in Venedig, Kirchtürme) und reine Aufrisse zu produzieren, was auch bei Traimer auffällig ist.

 

Text: Matthias Bechtle, Wien 02.10. 2012.

Buch: Heinz Traimer, Diplomarbeit. m.s., Universität Wien 2012.

 


Tapete - Muster um 1960.
Tapete - Muster um 1960.
Tapete - Muster Italien, Rom um 1960.
Tapete - Muster Italien, Rom um 1960.