Plakat: Ein guter Start für 1957 - Skispringer

Ein skispringendes Sparkassenbuch zum Neujahr 1957


poster with a bank book designed in 1957
Sparkassenwerbung 1957. Plakat von Heinz Traimer.

Für die Sparkassen entstand 1956 ein Plakat (Abb. 228) mit recht humorvollen Zügen.

 

Das Neujahrs-Motiv 1957 - eine Winterlandschaft

 

Ein Sparkassenbuch mit Händen und Füßen sowie einem Gesicht, bestehend aus einer Schil-lingmünze ist bei einem Skisprung zu sehen. Der dazugehörige Text lautet: „Ein guter Start für 1957. DIE HEIMISCHE SPARKASSE“.

Den Hintergrund bildet ein strahlend blauer Winterhimmel. Im rechten Eck ist ein verschneiter Berghang mit Tannen zu sehen. Das auffällige Plakat besticht durch seine Farben, vor allem durch das rote Buch auf eisblauem Hintergrund. Die Figur ist untersichtig wiedergegeben und wendet die Augen dem Betrachter zu. Schal, Mütze und Handschuhe setzen ebenfalls auf Farbwirkung. So entsteht ein Eindruck der Unbekümmertheit, möglicherweise gar Freude beim Sparen, da man sich danach zum Beispiel einen schönen Urlaub, wie das Skifahren, leisten kann. Die Figur ist Raum beherrschend und verbindet gleich drei Seiten des Plakats miteinander.

 

Der Farbkontrast erhöht die Leuchtkraft des Plakats - heiß-kalte Farben

 

Das Rot des Sparbuchs, eine „warme“ Farbe, die ebenfalls der Machtdemonstration zuzuordnen ist (beispielsweise Heraldik, rotes Parteibuch), steht in Kontrast zum „kalten“ Blau. Zugleich handelt es sich bei den Farben Gelb und Blau sowie Rot und Hellblau um Komplementärfarben die die Leuchtkraft des Plakats erklären.

Nimmt man den Begriff der Pop-Art wörtlich, so handelt es sich hier tatsächlich um eine poppige (knallende) und dynamische Arbeit, die Farbe und Gestaltung hervorragend miteinander vereint.

 

Verschneite Berge - der Österreich-Bezug im Plakat

 

Der steile Hang mit seinen schneebedeckten Tannen bildet die Verortung des Geschehens. Interessanterweise liest sich das Bild von rechts nach links und nicht wie in unserem Kulturkreis Usus von der anderen Seite her.

 

Typographie der 1950er Jahre - handschriftlich und kursiv gehalten

 

Die Typographie weist drei verschiedene Gestaltungen auf. Der kursive handschriftliche

Schriftzug „Ein guter Start für“ in Schreibschrift gibt der Werbebotschaft eine persönliche Note. Er ist in seiner Ausführung für die 1950er Jahre aktuell, da das „r“ noch wie ein „c“ ausläuft und einzelne Auf- und Abstriche dünner ausgeführt wurden. Ein Vergleich mit dem Buchcover von Traimers Lehrer Eberhard Hölscher (Abb. 229) verdeutlicht diese Ähnlichkeit. Die Jahreszahl hingegen wird durch einen umgebenden schwarzen Block gerahmt, der sich perspektivisch nach rechts hin verbreitert. Es mag die Sprungschanze sein, von der aus das Sparkassenbuch absprang. Der Jahresslogan „Die heimische Sparkasse“ bildet in serifenlosen Lettern, mit Leerzeichen gesetzt, ein breites und solides (seriöses) Fundament für dieses Ferienvergnügen.

 

Realismus und plakativ in einem

 

Einerseits weist die Grafik realistische Züge auf, so die Münze oder das Sparkassenbuch, andererseits ist wieder die Nutzung einer großen Fläche das Gestaltungsmerkmal bei Traimer. Sorgfältig gezogenen Linien der Skier stehen ausgefranste Beine, Arme und Textilien gegenüber. Sie lenken dadurch das Hauptaugenmerk auf das Sparbuch und die Münze.

 

Ziel - Erfolgreich sein und durchstarten können mit dem Sparkassenbuch

 

Dem potentiellen Kunden wird suggeriert, dass ebenfalls im kommenden Jahr gespart werden soll, um anschließend so kraftvoll wie die Figur eine Leistung und Erfolg erbringen zu können.

 

Text: Matthias Bechtle, Wien 2012.