Kahlenberg-Graphik Wien

Traimers familieneigene Siebdruckerei in Wien


Silkscreen-Printers Studio in Vienna 1958.
Kahlenberg-Graphik 1958. Einblick in die Druckerei, mit Familie Traimer als Angestellte. (Geburtsanzeige für Sohn Michael Traimer).

Von Klosterneuburg nach Wien 

 

Noch vor der Hochzeit 1957 im Jahr 1956 beantragte Heinz Traimers zukünftige Ehefrau Dr. Gertraude Gebauer eine Konzession: „zum Betriebe eines Flachdruckgewerbes mit der Be­schränkung auf die Verwendung von selbsthergestellten Seidenschablonen unter Ausschluß der Verwendung von Maschinen mit einem Standort in Klosterneuburg.“[57]

 

Bereits am 15. Juli 1957 genehmigte das Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau Heinz Traimer eine Siebdruckerei: „in Wien XIX. Bezirk, Kahlenbergerstraße 74“ [58] zu errichten. Im Haus der Familie wurde zuerst die Siebdruckerei im Wohnzimmer installiert. Im kleinen Zimmer nebenan befand sich das Büro von Gertraude.

Das Ehepaar Traimer nannte den Betrieb die „Kahlenberg-Graphik“. In den ersten 15 Jahren investierte das Ehepaar nach heutigem Wert ungefähr 180.000 Euro in den Betrieb. So kostete beispielsweise eine Reproduktionskamera mehr als ein Opel-Automobil.[59]

 

1962 die Druckerei wird erweitert

 

Mit zunehmenden Aufträgen wurde der Keller verwendet und ab 1962 ein separater Anbau mit Unterkellerung für die Druckerei errichtet.

 

Erstaunlich erfolgreich auch ohne jegliche Werbung 

 

Da Traimer keine Werbeinserate für diese Einrichtung schaltete, wundert der Erfolg der "Kahlenberg-Graphik".[60] In der Druckerei war ein eigener Grafiker namens Friedrich Zisser angestellt. Mehrere Personen arbeiteten für die florierende Siebdruckwerkstatt.[61] Kunden waren beispielsweise Matador, Turtle-Wax, Sinalco oder Bad Ausee Limonaden,[62] aber auch der SPÖ eigene „Vorwärts Verlag“ und der KPÖ nahe „Globus Verlag“.[63]

 

Der Tod der Ehefrau - das Ende der Druckerei 

 

Mit dem frühen Tod von Gertraude Traimer endete das Beste­hen der Druckerei. Der Grafiker legte die Konzession zum Betrieb, am 30. März 1979 zu­rück.[64] Viele der Plakate für Österreichs Sparkassen wurden bis Anfang der 1970er Jahre in dieser Sieb­druckerei gedruckt.

 

Später wurde die Druckerei Waldheim-Eberle in Wien vermehrt zur Ausführung der Grafiken genutzt, für die Traimer 1963/64 zwei humorige Karten (Abb. 16-19 in der Diplomarbeit) entworfen hatte.

 

 

Autor: Matthias Bechtle 2012.
Zitierweise: Bechtle, Matthias, Heinz Traimer DA m.s., Universität Wien 2012, S. 14-15.




[57]Quelle: Konzession Klosterneuburg 1957.

[58]Quelle: Konzession 1957.

[59] Die Investitionen in die Siebdruckerei sind sehr gut dokumentiert.

[60]Vergleiche der Jahrgänge 1964–1967 in, Verband österreichischer Zeitungsherausgeber (Hg.) 1964-1967.

[61]Angestellte der Siebdruckerei waren unter anderem: Frau Ganster, Frau Helga Unger, Frau Martina Balcz, Frau Knechtl, Frau Elisabeth Nussgraber, Frau Schimmel, Frau Rosa Koch und Herr Färber.

[62] Diese Grafiken waren in der Siebdruckerei in Kartons gelagert. Geschäftsunterlagen hierzu fehlen.

[63]Mündliche Auskunft Dr. Matthias Traimer 2010.

[64]Quelle: Rücklegung Gewerbeschein 1979.