Matthias Bechtle - Diplomarbeit über Heinz Traimer

Bankwerbung/Sparkassenwerbung der 1950er-1970er Jahre

Gebrauchsgrafik und Kunstgeschichte


Matthias Bechtle Wien
Matthias Bechtle, Wien.

Heinz Traimer (1921-2002), der bis zu dieser Arbeit wissenschaftlich nicht untersucht worden ist, war ein deutsch-österreichischer akademischer Gebrauchsgrafiker und Werbetexter, der in Wien seit 1956 sesshaft und freischaffend war. Grundlage dieser Diplomarbeit ist die Sammlung Traimer von ungefähr 2500 Objekten, die noch nicht aufgearbeitet waren.

 

Da über österreichische Bankwerbung bis dato fast nur im Bereich der Werbepsychologie geforscht worden ist und verschwindend wenig Literatur zum Plakat in dieser Sparte aus kunsthistorischer Sicht existiert, bedeutet dies, dass sich die vorliegende Arbeit nicht an einem anerkannten Forschungszweig bedienen kann. Daher wird der Leser/die Leserin auf den Bereich der Werbegrafik vorbereitet, indem ein theoretischer Teil zum Thema Werbung, Plakat und Technikgeschichte Bestandteil der Diplomarbeit ist. Ferner wird versucht, da die Diplomarbeit im Fachbereich Kunstgeschichte vorliegt, das umstrittene Verhältnis von „hoher Kunst“ zu primär „kommerzieller Kunst“ darzustellen und zu hinterfragen.

 

Nicht leicht gestaltet es sich, die ersten Jahre Traimers nachzuvollziehen. Nach einer Ausbildung an der angesehenen „Akademie für das Grafische Gewerbe – Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker“ (1949-1952) in München arbeitete er bis 1955 (?) in den Ateliers „Sellmayr“ und „Südgraphik“. In diesen Jahren gestaltete er die ersten Plakate und Prospekte für deutsche Sparkassen. Durch seine zukünftige Ehefrau Gertraude kam er nach Wien, wo er Anfangs im renommierten Atelier „Koszler“ als Atelierleiter angestellt war. Nach einem Jahr machte sich Traimer selbständig und gründete zudem eine Siebdruckerei, die „Kahlenberg-Graphik“. Einerseits wird von einen starken Plakatschaffen Traimers berichtet, andererseits sind aus diesen ersten Jahren nur kleine Karten und Anzeigen nachweisbar. Jedenfalls muss schon 1955 ein Kontakt zur Werbeabteilung der Sparkassen Österreichs erfolgt sein, da hier das erste signierte und weitverbreitete Plakat entstand.

 

 

Von 1956 bis ungefähr 1970 dominierte Traimer den gesamten grafischen Werbebereich aller Sparkassen Österreichs („Erste“, Sparkasse, „Z“). In der Diplomarbeit werden einige Arbeiten des Grafikers vorgestellt, dazu eine erste Einordnung, was Stil, Vorbilder, Einflüsse und Vergleiche angeht, vorgenommen. Die Sammlung Traimer an sich ist bedeutend, da von 1955-1980 Grafiken erhalten sind, die die Veränderung vom „Appell an das Sparen“ hin zum Kreditwesen dokumentieren. Zudem ist in diesen Jahren das Fundament der Werbetätigkeit der österreichischen Sparkassen nach dem Zweiten-Weltkrieg gelegt worden, die zuvor nur unwesentlich in den Jahren 1925-1938 ausgebildet war. Durch die umfassende Arbeit im Bereich der Sparerziehung für Kinder und Jugendliche konnten Sparkassen nicht nur die Eltern erreichen, sondern auch die heutige Generation der Kunden für sich gewinnen. Durch die flächendeckende Werbung dürfte Traimer im Laufe der Jahrzehnte noch unzähligen Bürgern Österreichs im Gedächtnis sein. Die Werbeoffensive der Sparkassen war zu jener Zeit sehr intensiv. Schaufenster, Tageszeitungen, Magazine (z. B. „Stern“, „Bunte“), Bankwerbemagazine, Plakate, Kinowerbung sowie Fernseh- und Rundfunkspots sorgten dafür dieser Sparte der Werbung kaum zu „entkommen“.

 

Doch nicht nur für Banken war Traimer tätig, so finden sich ebenfalls Kapsch, CIBA, der ARBÖ, Donauzentrum (dz), SPÖ oder die Stadt Wien als Auftraggeber im Sammlung Traimer wieder.

Künstlerisch bevorzugte der Grafiker eindeutig die schnelle Skizze für seine Arbeiten, der er auch noch bis in die späten 1960er Jahre treu bleiben sollte. In seiner Ausbildungszeit griff er noch auf die Vorkriegs- und NS-Stile zurück, fand aber schnell seinen eigenen Weg, der in einer hervorragenden Kombination von Schrift und Bild sowie „volksnahen“ Werbetexten lag.

 

 

Kennzeichnend für ihn sind die oft humorvollen Szenerien oder zumindest Beigaben kleiner scherzhafter Gegensstände sowie „Nasenmännchen“ in seinen Arbeiten. Surrealistischen oder realistischen Darstellungsformen blieb Traimer zeitlebens in der Zeichnung fern. Einzelne Plakate in der Sammlung belegen aber, dass er zeichnerisch sehr geschickt war. Frauen stellt Traimer meist als schöne „begehrenswerte Fräuleins“ dar. In den 1970er Jahren musste sich Traimer der Werbeabteilung der Sparkassen beugen und deren sehr explizite Vorstellungen umsetzen, welche darin bestand, dass er fortan fast ausschließlich fotografisch arbeiten sollte.

 

 

Im Sinne eines Gebrauchsgrafikers war Traimer äußerst produktiv und erfolgreich. Kunsthistorisch brachte er keine Neuerungen ein und verschloss sich den meisten zeitgenössischen Strömungen, wie der Wiener Schule des phantastischen Realismus oder abstrakter Kunst. Ob er der Pop-Art nahe ist wie seine teils stark farbigen Kontraste oder comichaften Grafiken vermuten lassen ist schwierig zu beantworten. Jedenfalls bewarben Traimers Arbeiten tatsächliche Produkte und er nahm auch nicht am „Kunstmarkt“ teil.

 

 

Für die Wirtschafts-, Sozial-, Geschlechter- und Konsumgeschichte bedeutet Heinz Traimer eine wichtige Bildquelle und für die heutigen Menschen mit ihrem mittlerweile vergrößerten Begriff von „Kunst“ ist er als ein respektabler Grafiker zu qualifizieren.

 

 


Widmung

Mein Dank für die Unterstützung und Fertigstellung der Diplomarbeit gilt:


Familien Bechtle-Wohlfarth, Matthias Traimer, Michael Traimer & Isabelle Sachsen-Coburg und Gotha sowie Familie Reinhold und Roswitha Traimer-Schlötterer.