Ankunft Traimers in Wien - die 1950er Jahre

Heinz Traimer zwischen Heimweh und Aufbruch


Ungeklärte Ankunftszeit in Wien

 

Es ist bis jetzt nicht leicht nachzuvollziehen, wann Heinz Traimer nach Wien kam und wie die ersten Jahre verliefen. Vermutlich hatte er sich aber schon 1954 durch die Beziehung zu seiner Freundin Gertraude regelmäßig in Wien aufgehalten.

 

Im Frühjahr 1955 schreibt jedenfalls Gertraudes Schwester, Dr. Elfriede Moser-Rath, in einem Brief an diese, dass sich Heinz doch schonen möge, da er, wie Traudl berichtete, durch die vielen Aufträge: „chronisch übermüdet“ sei.[54] 

Der Grafiker sehnte sich zusehends nach München zurück.[55] Vermutlich wohnte er bereits im Haus in der Kahlenberger Straße, wo die Entwürfe dieser Jahre entstanden sein müssen.

 

Atelierleiter bei Atelier Koszler Wien 

 

Ein erster Kontakt zum Sparkassenverlag wird Anfang oder Mitte 1955 hergestellt worden sein, da das Weltspartags-Plakat (Abb. 15) von ihm stammt. Es wurde nicht mit Atelier Koszler signiert, sondern in „Antiqua“ mit „TRAIMER“. Folglich wird er durch dieses weitverbreitete Plakat bekanntgeworden sein, was zur Anstellung bei Koszler geführt haben dürfte. Das Werbe-Atelier Koszler saß in der Grünangergasse 2, Wien 1010. Ein Eintrag zu Koszler findet sich in einem Branchenbuch.[56] Im März 1956 ließ sich Traimer in München bestätigen, dass er deutscher Staatsbürger sei.

 

Kahlenberg-Graphik - eine eigene Siebdruckerei 

 

Ferner wollten beide ihre gemeinsame Zukunft mit entschiedenem Unternehmergeist gestalten. So stellte Traimer im August 1956 einen ersten Antrag auf einen Gewerbeschein.[58] Für den Zeitraum von Ende 1956 bis 1957 sind zahlreiche kleinere Aufträge wie Einladungen und Glückwunschkarten (Geburtstag/Neujahr) nachweisbar, die mit „Kahlenberg-Graphik“ signiert sind. Ebenfalls existiert ein Weltspartags-Plakat von 1956 für die Zentralsparkasse.[59] Es wurde mit Traimer signiert, was darauf schließen lassen kann, dass er nach Oktober 1955 und vor Oktober 1956 bei Koszler gearbeitet hat. Vermutlich hatte aber zwischen Ende 1956 und Mitte 1957 noch das Atelier Koszler die „Z“ Werbegestaltung inne. Spätestens 1957 ist Traimer hier wieder, wie bereits 1955, ohne Koszler nachweisbar.[60]

 

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Fußnoten: 

 

[53] Es existiert nur ein Prospekt, der für die Rath nahe Familie N. entworfen wurde. 

[54] Quelle: Schwesterlicher Briefwechsel 1955.

[55] Vgl. ebenda.

[56] Vgl. Verband Österreichischer Zeitungsherausgeber 1955, S. 289.

[57] Vgl. Quelle: Schwesterlicher Briefwechsel 1956.

[58] Vgl. Quelle: Gewerbeschein 1957.

[59] Plakat „Sparen macht froh… bitte vormerken: 31. Oktober Weltspartag…“ in der Wienbibliothek Signatur: P 40076.

[60] Sparkassen-Werbung und „Z“ Werbung sind größtenteils ident, nur mit unterschiedlichem Banknamen versehen. Die Wienbibliothek beherbergt unter Signatur P 40044 ein auf 1955 datiertes Plakat.

 [61] In der Privatbibliothek Rudolf Raths fanden sich zahlreiche einschlägige Werke mit Ns-Ideologie und auch einiges an revisionistischer Literatur wieder.

 

 

Zu Kasimir:

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/literatur/buecher/115826_Tessemar-Wiener-Platzerln.html Stand 16.03.2014.

zu Fischböck: 

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Fischb%C3%B6ck Stand: 16.03.2014 und Seliger 2010, S. 468.

zu Seys-Inquart:

http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Sey%C3%9F-Inquart Stand: 19.03.2014 und Seliger 2010, S. 468 

http://books.google.at/books?id=ovVUp4-NJDIC&lpg=PA468&ots=76m8Uvh75Q&dq=camuzzi%20wien%20nsdap&hl=de&pg=PA468#v=onepage&q=camuzzi%20wien%20nsdap&f=false Stand 18.03.2014.

 

Empfehlenswert:

Maren Seliger, Scheinparlamentarismus im Führerstaat. In: Tálos/Fink (Universität Wien) (Hg.), Wien 2010.

 

Text: Matthias Bechtle, Wien 2012-2014.