Internationaler Wettbewerb für modernen Jazz Wien 1966 - 

International Competition for modern Jazz Vienna

Friedrich Gulda Wettbewerb der Stadt Wien


jazz fest wien festival vienne vienna 1966
Jazz Logo 1966 - Reinzeichnung.
Briefpapier-Entwurf.
Briefpapier-Entwurf.
Briefpapier-Entwurf
Briefpapier-Entwurf
Briefpapier-Entwurf.
Briefpapier-Entwurf.
Entwurf für die Wettbewerbs-Broschüre.
Entwurf für die Wettbewerbs-Broschüre.
Umgesetzte Wettbewerbs-Broschüre.
Umgesetzte Wettbewerbs-Broschüre.
poster for the international competition for modern jazz vienna austria 1966
Jazz-Plakat in englischer Sprache.
poster jazz vienna competition 1966
Informations-Plakat Jazz-Schlusskonzert.
diploma jazz competition vienna
Urkunde Jazz-Wettbewerb - Sonderpreis.
LP Langspielplatte Jazz-Wettbewerb.
LP Langspielplatte Jazz-Wettbewerb.
LP Langspielplatte Jazz-Wettbewerb.
LP Langspielplatte Jazz-Wettbewerb.

„Jazz“-Musikwettbewerb von 1966 - Schwerpunkt Typographie

 

Stolz war der Grafiker auf den Gewinn des Wettbewerbes um die Gestaltung des Internationalen Wettbewerbes für modernen Jazz der Stadt Wien von 1966.[1]

 

Internationale Beachtung des Wettbewerbes

 

Dieser Wettbewerb, seit 1962 veranstaltet und von Friedrich Gulda organisiert, genoß höchstes Prestige und stand unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters der Stadt Wien, Bruno Marek und des Außenministers Dr. Bruno Kreisky.[2]

Mit über 10.000 US-Dollar Gesamtgewinn war er für die damalige Zeit hoch ausgestattet.

 

Dezent elegante Linie in Chrom uhd Kupfer

 

Nun konnte Heinz Traimer von der bei Bankwerbung erwarteten Linie abgehen und seinem eigenen Geschmack nachgehen.

Als Ergebnis kam ein sehr schlichtes, zurückhaltend elegantes chrom- und kupferfarbenes Design heraus. Voranzeigen für den Wettbewerb wurden wahrscheinlich in aller Welt veröffentlicht (Botschaften, Konsulate und Institute). Briefpapier, Urkunden, Prospekte, Schilder und Folien für den Wettbewerbsort sowie die Gestaltung einer Langspielplatte entwarf Traimer in einer abgestimmten Linie.

 

Zahlreiche kleine Entwürfe sind noch vorhanden, darunter auch erste Skizzen in einem Arbeitsnotizbuch.[3]

 

Entwurf eines Logos für den Wettbewerb


Für das Wort Jazz (Abb. 272) entwarf er eine eigene Typographie. Das „J“ ist recht breit ausgefallen. Das „A“ ist fast doppelt so hoch wie das „J“ und übertrifft sogar die beiden „Z“ Buchstaben. Die „Z“ sind in unterschiedlicher Breite neben dem „A“, aber übereinander abgebildet. Am breitesten ist der „Abstrich“ des „J“, das einen ausgeprägten „Tropfen“ be­sitzt. Es ragt mit seinem linken „Serifen“ in das nebenstehende „A“ hinein. Der Letter „A“ mit seinem dünnen „Aufstrich“ und dem Punzen ist durch eine „Ligatur“ am unteren Ende des dicken „Abstrich“ mit dem ersten „Z“ verbunden. Das darüber befindliche „Z“ ist nur gut halb so hoch, doch doppelt so breit. Der „Abstrich“ hier ragt über die beiden „Aufstriche“ und dringt in den Raum des „A“ ein. Die „Serifen“ der Lettern wurden in gerader Form ausgeführt. In den Dokumenten des Nachlasses kann man gut nachvollziehen, wie er diesen Schriftzug entwarf und später drucken ließ. So ist die Entstehung der Kopfzeile des Briefpapieres (Abb. 278-280) leicht nachvollziehbar. Traimer änderte immer wieder die Adresse, das Präsidium und die Zeile unter dem Jazz-Logo, bevor er das fertige Produkt akzeptierte.

 

Negativ-Siebdrucke in der Informationsbroschüre

 

Die Broschüre (Abb. 281) für den Aufruf zum Wettbewerb erfuhr selbstverständlich Abänderungen. Besonders die Titelseite des rechteckigen Hartpapier Covers wurde schließ­lich von Informationen zur Teilnahme und den Kategorien befreit (Abb. 282). Es ist nicht aus­zuschließen, dass es sich beim Entwurf aber auch um ein Plakat handelt, das zur Wett­bewerbsteilnahme animieren sollte, da die Kontaktadresse angegeben ist. Jedenfalls besitzt es fast dieselben Maße wie die kupfer-chromfarbene Broschüre - daher ist davon aus­zugehen, dass es für diesen zumindest ebenfalls als Vorlage dient. Das Cover wird vom Logo „Jazz“ dominiert, welches sich in weißen Lettern über die gesamte Breite zieht. Im oberen Bereich ist in deutscher, englischer und französischer Sprache der Wettbewerbsname von links nach rechts beschrieben. Ein schwarzes Rechteck an der unteren rechten Ecke, mit weißem „Wien, Vienna, Vienne 1966“-Schriftzug rundet das Sujet ab. 24 Seiten glatten Papieres inkludiert der Prospekt. Die Innenseiten sind auf weißem und kupferfarbenem Papier gedruckt. In drei Sprachen werden Teilnahmebedingungen, Adressen, Wettbewerbs­ablauf und Preisgelder erläutert. Zahlreiche Fotografien von Jazzmusikern (Abb. 283) und Musikinstrumenten (Abb. 284) sind als Negativ ausschnitthaft abgebildet. Es ergibt sich hieraus eine reizvolle Dynamik für den Betrachter. Die Originalfotografien, darunter ein Luftbild Wiens, stammten von F. Lauzensky und W. Schmittel.

 

Das (Text) Plakat (Abb. 285) zum Aufruf für den Wettbewerb ist in englischer Sprache erhalten und zeigt in der oberen Hälfte das weiße „Jazz“-Logo mit dem Titel der Veranstaltung. Der Text ist auf kupferfarbenem Papier gedruckt. Im linken oberen Eck werden die 6 „categories“ beschrieben und in einem schwarzen Feld unten befinden sich Kontaktinformationen. Die Lettern sind in einfacher Blockschrift gehalten. Dem Plakat fehlt aber die leichte Eleganz des Prospektes.

 

Rote Strassenbahnplakate werben in Wien für die Konzerte

 

Zur Bekanntmachung des Wettbewerbes im Bereich Wien, hingen in den Wiener-Straßenbahnen (BIM) Textplakate (Abb. 286) auf rotem Hintergrund. Sie gliedern sich in zwei Spalten und fünf Zeilen. Im oberen rechten Feld befindet sich das weiße „Jazz“-Logo. Links und rechts davon wird in schwarzen serifenfreien Lettern der Wettbewerb und Veranstalter genannt. Durch schwarze Linien getrennt, werden auf der linken Seite, untereinander, drei weiße fast elliptische Kreise mit Konzertdaten in schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund genannt. Diese Kreise wecken eine Assoziation mit Augen. Da die „Augen“ etwas sehen können, nämlich ein Konzert, ist dies eine schlüssige Interpretation. Links neben den „Augen“ werden die Konzerte beschrieben. In der Fußzeile findet sich Allgemeines wieder.

 

Die Urkunde mit Mappe in weiß mit kupfernen Lettern

 

In einer großen weißen Kunststoffmappe mit dem „Jazz“-Logo befanden sich die Wettbewerbsurkunden (Abb. 287), die auf schweres, weißes Papier gedruckt sind. Hervor-gehoben in Kupfer werden Wettbewerbsname und Logo, „URKUNDE/DOCUMENT“ sowie „Sonderpreis/SPECIAL PRIZE“. Letztere sind ausgeführt in „Times New Roman“ ähnelnder Schrift. Die restlichen Lettern sind schwarz. Aus heutiger Sicht sind die vielen Informationen kaum mehr als gelungenes Gestaltungsbeispiel zu nennen, damals ohne Internet, im Ausland, aber sehr wohl gewissermaßen notwendig.

 

Langspielplatte (LP) erinnert an den Jazz-Wettbewerb 1966 

 

Nach dem Wettbewerb erschien eine LP (Langspielplatte), auf dem das Schluss­konzert der Preisträger zu hören ist. [4] Das Cover (Abb. 288) ist wieder in Kupfer gehalten und zeigt auf zwei Drittel das weiße Logo „Jazz“, den Namen wie Ort des Wettbewerbes. Im unteren Drittel sind das Orchester, Leiter und getrennt durch eine breite schwarze Linie, die Jury aufgezählt. Auf der weißen Rückseite (Abb. 289) sind im oberen Viertel Logo und Wett­bewerbsname wiedergegeben. Durch eine schwarze Linie getrennt befinden sich zwei Spalten mit einem Foto des Konzertes sowie dessen Beschreibung (links) und die gespielten Konzertlieder und Musiker.

 

Autor: Matthias Bechtle, Wien 2012.



[1]Mündliche Auskunft Dr. Michael Traimer 2010.

[2] Zu den Gulda-Wettbewerben vgl. Irene Suchy, „Hochkultur und Heimatklang – Das Musikland Österreich zwischen Innovation und Reglementierung“ (322-335), in: Etzlstorfer/Schallaburg Kulturbetriebsges. M.b.H. (Hg.) 2010, S. 326-327.

[3] Vgl. Quelle: Sammlung Traimer Notizbuch 1, S. 74-76 und 79.

[4] Von der Firma AMADEO produziert.

 


jazz moderne vienne autriche 1966, friedrich gulda wettbewerb
international competition for modern jazz vienna 1966 austria

Der Gulda Wettbewerb in den Wiener-Rathaus-Nachrichten


30.3.1965: Unter Patronanz der Stadt Wien: Internationaler Jazz-Wettbewerb 1966 - Eine Viertelmillion Schilling für Preise - Friedrich Gulda organisiert - Zentralsparkasse subventioniert

 

In einem Pressegespräch wurde heute ein sensationeller internationaler Wettbewerb für modernen Jazz vorgestellt, der nächstes Jahr in Wien stattfinden wird. Der internationale Bewerb, der mit Preisen in der Höhe von insgesamt einer Viertelmillion Schilling dotiert ist, wird im Mai 1966 abgehalten. Junge Jazzmusiker im Alter von 15 bis 25 Jahren aller Nationen können daran teilnehmen, Amateure wie auch Berufsmusiker. In sechs Kategorien - Trompete, Posaune, Saxophon, Klavier, Bass und Schlagzeug wird ein Preis vergeben. Einen Sonderpreis erhält die beste selbstarrangierte Eigenkomposition.

 

Die Jury wird sich aus international bekannten Jazzmusikern zusammensetzen. Jeder einzelne ein "Spezialist" auf seinem Instrument. Bisher konnten bereits für das Preisgericht verpflichtet werden: Julian Adderley (Saxophon), J.J. Johnson (Posaune), Joe Zawinul (Klavier) und Mel Lewis (Schlagzeug).

 

Mit diesem großen Wettbewerb, der vom Wiener Kunstfonds der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien finanziert wird, beschreitet man einen neuen Weg zur Propagierung des Jazz. Die Organisation wird Prof. Gulda leiten.

 

Der Jazz-Wettbewerb soll alle zwei Jahre abgehalten werden. Es ist auch daran gedacht, im Konservatorium der Stadt Wien ein Institut für Jazzmusik einzurichten.

 

Nachweis: http://www.wien.gv.at/rk/historisch/1965/maerz.html Stand: 10.03.2014.


21.2.1966: Erster Internationaler Jazz-Wettbewerb in Wien

 

Portrait Joe Zawinul

Joe Zawinul

 

Portrait Duke Ellington

Duke Ellington

 

Portrait Friedrich Gulda mit Blockföte

Friedrich Gulda

 

 

Nicht nur für Österreich, sondern auch für ganz Europa erstmalig ist der Erste Internationale Jazz-Wettbewerb, der im Mai in Wien stattfinden wird.

 

Der Jury werden u.a. Jazz-Größen wie Duke Ellington, Art Farmer, Jay Jay Johnson, Julian Cannonball Adderley, Joe Zawinul, Mel Lewis und Ron Carter angehören.

 

Die sechs ersten und sechs zweiten Preisträger werden im Konzerthaus ein großes Schlusskonzert veranstalten. Aber auch die Juroren werden ein Konzert geben, das vom Eurojazz-Orchester begleitet und von der Eurovision und Intervision übertragen wird.

 

Der Wettbewerb wird vom Kulturamt der Stadt Wien gemeinsam mit dem Kunstfonds der Zentralsparkasse durchgeführt.

Nachweis:

http://www.wien.gv.at/rk/historisch/1966/februar.html Stand 10.03.2014.