Die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien

Heinz Traimer -Werbung für die Zentralsparkasse 1955-1980


Sie kommen schneller vorwärts..! Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. Plakat um 1956.
Sie kommen schneller vorwärts..! Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. Plakat um 1956.

Atelier Koszler und die Zentralsparkasse

 

Einen großen Teil des Traimerschen Werkes nimmt die Arbeit für die ZENTRALSPAR­KASSE DER GEMEINDE WIEN (Z) ein. Im Museum für angewandte Kunst (MAK) Wien sind einige Plakate des Grafikatelier Koszler für diese Bank erhalten. Sie sind auf 1954, 1955 und 1956 datiert worden, wobei Datierungen nicht immer genau zutreffen werden. Traimer muss als Atelierleiter bei Koszler zumindest von den Plakaten 1955-1956 gewusst, oder gar an diesen mitgearbeitet haben, wodurch ein erster Kontakt zu dieser Institution hergestellt worden sein wird.

 

Karl Damisch - Werbedirektor der Zentralsparkasse 

 

Jedenfalls muss Heinz Traimer dem Direktor der „Z“ und dem Werbeleiter Karl Damisch aufgefallen sein, da er sich in die Selbständigkeit begab und nun der „Z“-Grafiker werden sollte. 

 

Da der freischaffende Traimer vermutlich sehr viele direkte Aufträge von Karl Damisch, dem Ressortleiter der Werbeabteilung der „Z“, persönlich erhielt, ist eine direkte Nachvollziehbarkeit dieser Geschäftsbeziehung kaum mehr möglich.[3] Fest steht aber, dass die Werbeabteilung der „Z“ zumindest einen festen Grafiker namens Klanjsek-Bratke (*1941) ab 1963 eingestellt hat.[4]

 

Die Gretchenfrage - wer hat das "Z" erfunden

 

Z-Plakate zeigen bereits 1954 ein stark herausgearbeitetes „Z“ welches aber selbst, und immer wieder in unterschiedlichen Schriftzügen als „Zentralsparkasse der Gemeinde Wien“ wiedergegeben wurde, sodaß die Plakate noch kein durchgängiges Logo aufweisen. So wurde das „Z“ einmal mit Nationalflaggen (Abb. 75), gerillt (Abb. 76), dreidimensional (Abb. 77) und verschiedenfarbig (Abb. 78) dargestellt. Oftmals war auch das Wiener Landeswappen (ein Kreuz) mit dem Schriftzug „Zentralsparkasse der Gemeinde Wien“ (Abb. 79) kombiniert worden.[5] Von einer, den heutigen Ansprüchen genügenden „corporate identity“, also einer Werbeschiene mit Wiedererkennungsfaktor, ist hier noch keine Rede.

 

Ein fliegendes Sparschwein - Traimers ältestes Z Plakat?

 

Ein signiertes Plakat Traimers weist noch nicht das spätere Z-Logo und den dazu gehörigen Schriftzug der Zentralsparkasse auf. Es handelt sich um das BIM-Plakat „Sie kommen schneller vorwärts..!“ (Abb. 80), das demnach 1955 oder 1956 entstanden sein muss. Zu sehen ist ein Mann, der auf einem „Sparschwein“ reitet, welches selbst wiederum fliegt.  

Traimers Plakat unterscheidet sich demnach von den vorhergegangenen, indem er sich entschied, Humor in die Gestaltung einfließen zu lassen. Sparen und Freude sollten in einer Grafik vereint werden. Ziel war es die vornehmlich nicht so finanzkräftige Kundschaft anzusprechen beziehungsweise überhaupt dem Sparen den Beigeschmack von drohender Armut, Verlusten oder Mühsal zu nehmen.

 

Autor: Matthias Bechtle, Wien 2012.



[1] Vgl. Tabelle im Anhang. In: Haiden (Hg.) 2007, S. 225.

[2] Vgl. Ebenda, S. 224.

[3] In den Kalendern Traimers finden sich viele Einträge mit „Damisch“.

[4] Vgl. Protokolle und Beilagen des Verwaltungsausschusses 1962. Bank-Austria Archiv Wien.

[5] Vgl. eine Fotografie von 1929 die eine Filiale der Zentralsparkasse zeigt. In: Kos 2010, S. 400.

 

Das Traimersche Z-Logo der Zentralsparkasse

 

Für Eberhard Hölscher, der Traimer in Typographie ausbildete, war die Präsenz eines Firmen-Logos unabdingbar, wie aus seinen Lehrbüchern hervorgeht. Traimers markantes Z-Logo (Abb. 81), welches leicht kursiv und füllig ist und den umgebenden Kreis oben rechts und unten links touchiert, ist zweifelsfrei ab 1957 nachweisbar.[1]

 

Wer war für die Zentralsparkassen-Werbung verantwortlich?

 

Dass Traimer der eigentliche Urheber der Texte und Grafiken (zumindest zwischen 1957 und 1965) ist, zeigen verschiedene Briefe Traimers, der Generaldirektion der Zentralsparkasse oder verschiedenen Gutachten. Für Gutachten über seine „künstlerische“ Arbeit schrieb er an den Künstler und Professor Hans Fabigan 1964:

 „Ich arbeite ohne Hilfskräfte und führe meine Arbeiten von der Idee bis zur Reinzeichnung vollkommen selbständig aus. Ich glaube sagen zu können, dass ich gerade durch meine Plakate erstmalig den konservativen und trockenen Weg der Publikationen bei den Geldinstitutionen aufgefrischt und in eine etwas freiere moderne grafische Richtung gebracht habe, wobei mir gerade im Anfang erheblicher Widerstand der mir von Seiten der kleinen Sparkassen in der Provinz entgegengebracht wurde. Mittlerweile ist dieser Kampf beendet und meine Arbeiten finden gerade im Ausland bei den einschlägigen Organisationen volle Anerkennung = leider auch Kopierung.“[2].

An das Finanzamt schrieb der Grafiker 1964 eine ähnliche Version des Fabigan-Briefes.

Ergänzend bestätigt Generaldirektor Josef Neubauer dem Grafiker im selben Jahr: „ […], dass sich Ihre [Traimers] Tätigkeit als Grafiker im Sparkassensektor nicht nur auf die Gestaltung unserer Werbemittel, sondern auch auf ihre schöpferische Kreierung sowohl im Entwurf als auch im Text bezieht. Wir arbeiten gerade deshalb mit Ihnen zusammen, weil Sie nicht nur Aufträge von uns entgegennehmen, sondern uns durch Anregungen verschiedenster Art bei unserer Werbetätigkeit unterstützen.“[3]

 

Noch 1967 scheint die Bankwerbung in Traimers Händen gelegen zu sein, wie ein Brief an das Finanzamt vermuten lässt, so schrieb er dort: „Die Arbeiten, die ich für diese Stellen durchführe [Sparkassen, Bundesfinanzministerium und Stadtschulrat], sind fast durchwegs von der Idee, vom Text und in der grafischen Ausführung mein eigenes Gedankengut – ich würde sonst wohl kaum Honorare in dieser Größenordnung erhalten.“[4].

 

Die Werbeabteilung der Zentralsparkasse oder wie Traimer zum Erfüllungsgehilfen wurde

 

Noch vor 1970 musste sich Traimer aber zusehends der „Z“ Werbeabteilung und dem Sparkassenwerbeausschuß und deren detaillierten Vorstellungen von erfolgsversprechender Werbung beugen.

In den 1970er Jahren lassen sich viele Plakate nicht mehr eindeutig zuschreiben, da sie nicht durchgehend signiert worden sind. Zudem kommen die nun stilistisch veränderten Plakate erschwerend hinzu. So hat die „Z“ ihr Image als Finanzier der Wiener Krankenhäuser, Bau der U-Bahn, Kindergärten, Freibäder und dergleichen durch zahlreiche Textplakate und kaum unterscheidbare Text-Bildplakate beworben.

 

Der Einfluss der Zentralsparkassen-Werbung auf andere Geldinstitute 

 

Eine Aussage über Bankenwerbung des ehemaligen „Z“ Direktors Josef Neubauer fasst prägnant die ersten Arbeitsjahre Traimers zusammen: „Heute machen alle Geldinstitute in ähnlicher Weise das, was von Damisch und seinem Team [also vornehmlich Traimer] im Jahre 1955 in der Z begonnen wurde.“[5]

 

Autor: Matthias Bechtle, Wien 2012.

[1] Vgl. Prospekt von 1958. In: Sammlung Archiv Bank Austria.

[2] Vgl. Quelle: Brief an Fabigan 1964.

[3]Quelle: Brief von Neubauer 1964.

[4]Quelle: Brief an Finanzamt 1969.

[5]Neubauer 1994, S. 32.

 



Poster Sparkasse. Design 1960er.
Vergleich zweier Plakate . Bewerbung des Sparkassenbuches. Links, Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, rechts, Sparkassen-Gruppe allgemein. Entwurf: Heinz Traimer, Druck: Kahlenberg-Graphik (Wien um 1965).