Eheratgeber der Zentralsparkasse

Die elegante Hausfrau von Welt


Buch: Eheratgeber der Zentralsparkasse: Mit der Ehe fängt es an. Braut und Bräutigam am Standesamt. Werbung von 1960.
Mit der Ehe fängt es an - Haushaltsratgeber und Eheratgeber der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien um 1960. Design Heinz Traimer.

Buch: Mit der Hochzeit fängt es an - das Hausfrauendasein

 

Aufwändig gestaltet ist das kleine ab 1960 erschienene 56-seitige DIN A5 Buch „Mit der Hochzeit fängt es an“ (Abb. 147).

Der Eheratgeber der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien ist koloriert und zeigt auf einigen Seiten Zeichnungen in Cyanblau, welche um pastellfarbene eindimensionale ganzseitige Grafiken ergänzt werden.

 

Die Umschlagstitelseite wirkt bühnenartig gestaltet. Eine Hochzeitsgesellschaft ist vor weißem Hintergrund auf einer hellbraunen Ebene dargestellt.

 

Vorbildhafte Frauen zeigen der frisch Vermählten ihre Hausfrauenrolle

 

Erzählerisch präsentiert sich die Buchumschlagsrückseite (Abb. 148). Eine städtische Straßenszenerie ist dargestellt.

Am linken Bildrand befindet sich ein Haus mit drei Fenstern. Dessen Bewohner im Inneren werden wiedergegeben.

Die Mitte, mit einem (Markt) Platz und Geschäftslokalen im Hintergrund ist von alten und neuen Bauwerken geprägt.

 

Rechts verlässt auf einer Treppe gerade die Hochzeitsgesellschaft, von der Umschlagsvorderseite das als Standesamt bezeichnete Gebäude.

Zwischen der rechten und linken Bildhälfte scheint der Standesbeamte nun zu vermitteln, da er beide Arme weit ausgestreckt hat. Erzählerisch ergibt sich hier demnach, dass der Braut bildhaft die „Pflichten“ der Hausfrau und Mutter vor Augen geführt wird. So wird der Lebensalltag guter „Gattinnen“ dargestellt, die umso mehr in ihrem Detailreichtum verwundert, da Traimers Ehefrau als Juristin und Leiterin der Druckerei mit Sicherheit nicht dem typischen Hausfrauen-Klischeebild entsprach.

 

Im rechten Gebäude daneben serviert eine blondhaarige Frau ihrem Mann und Sohn gerade eine Suppe. Im Stockwerk darüber bügelt eine Frau ein Tuch. Im Dachgeschoss gießt eine weitere gepflegte Dame die Pflanzen an ihrem Fensterbrett. Am Markt spaziert eine Brünette mit modischem Gewand und zwei Körben just den Weg entlang. Zwei weitere Frauen schütteln Wäsche aus und klopfen einen Teppich. Auf dem modernen Gebäude hängt eine Frau Wäsche auf einer Leine auf. Derweil ist im „Moden“-Haus im zweiten Geschoss eine Hausfrau mit der Reinigung der Decke beschäftigt. Zwei weitere Damen stehen an einem kleinen und beweglichen grünen Marktstand mit Sonnenschirm.

 

Die Hausfrau - Verwalterin des Haushaltseinkommens 

 

Die Naivität der Darstellung ist bemerkenswert. Die Sparkasse möchte sich in den neuen Lebensabschnitt des Paares einbringen und macht zugleich deutlich, welcher Person die Rolle der Geldverwaltung zufällt: nämlich der Frau.

 

Text Matthias Bechtle, Wien 2012.