Glück oder Geschicklichkeit?

Ein Faltblatt der Sparkasssen um 1956


 

Einfach, aber von hoher Eleganz präsentiert sich der Sparkassenprospekt „Glück oder Geschicklichkeit“ (Abb. 112), das für umfangreiche Angebote der Bank zur Vermögensvermehrung und Verwaltung wirbt.

 

Der Prospekt wird aller Wahrscheinlichkeit nach vor 1960 entstanden sein. Das Hochformat teilt sich in einen breiten grünen linken Streifen und einen schmalen schwarzen rechts daneben.

 

Völlig abstrahiert und zweidimensional, in der Manier der 1920er Jahre gehalten, ist am linken Bildrand eine angeschnittene, männliche Person in Anzug und mit Fliege gerade dabei, mit einer Queue (Holzstab) eine Billardkugel anzustoßen. Statt eine Körperlichkeit aufzuweisen, besteht der Billardspieler nur aus Farbflächen. Beide Hände, die die Queue halten und fixieren, sind dabei gar ohne Verbindung angesetzt. Die Kugeln hingegen, eine befindet sich am grünen unteren Bildrand, die Zweite davon im schwarzen Streifen, sind mit Licht und Schatten realistisch wiedergeben. Die Fleischteile des Mannes weisen Hautfarbe auf, die Queue ist orange, das Sakko schwarz, das Hemd weiß und die Fliege blau. Das rot gehaltene Wort „Glück“ sticht hervor. Der Innenteil, der aus drei Seiten besteht, weist hauptsächlich Text auf und wird von bunten Billardkugeln und davon ausgehenden gelben Linien, die durch bunte Dreiecke (Pfeile) auf die entsprechend farbigen Felder mit Schlagworten zu Banktätigkeiten hinweisen, bestimmt.

 

Der Prospekt ist insofern interessant, da es aus dem Traimerschen Werk herausfällt und allenfalls in wenigen Plakaten, Mitte der 1960er Jahre, stilistisch eine Entsprechung findet. Der Prospekt-Betrachter kennt vermutlich aus dem eigenen Leben das Billardspiel und weiß daher, dass es sich eher um Geschicklichkeit denn um Glück handelt. Hier soll er also mit Hilfe der Bank ebenfalls zur Geschicklichkeit mit Geld „erzogen“ werden.

Billardspieler. Prospekt der Sparkasse um 1956.
Billardspieler. Prospekt der Sparkasse um 1956.