Werbung für Anleihen (Aktienwerbung) der Republik Österreich

Anleihen der Republik Österreich, der Gemeinde Wien, Vorarlberger Illwerke in den 1950er und 1960er Jahren.


Anleihen mussten in der jungen II. Republik stark beworben werden, da die Bevölkerung noch gut die durch Kriege und Inflation wertlos gewordenen Papiere im Gedächtnis hatte. Das Ver­trauen der potentiellen Kunden hielt sich deutlich in Grenzen. Heinz Traimers Entwürfe der Jahre 1965-67, die auf kleinen Kartons gemalt wurden, sind recht einfach gehalten und weisen meist nur Zinssatz und Namen der Anleihe auf. Als Bildmotive verwendete er das Wiener Landeswappen, Berge oder einfache Lettern. 

 

Ob die Anleihen (ecl. VAI AG.) über die Zentralsparkasse oder die Kontrollbank lanciert wurden, ist derzeit nicht überall nachweisbar. In der Sammlung Traimer finden sich auch Hinweise, dass Traimer für das „Bundesministerium für Finanzen“ Arbeiten erstellte.



Vorarlberger Illwerke AG Anleihe 1966

Ein Energieunternehmen bewirbt Aktien


Vorarlberger Illwerke AG - Anleihe 1966. Plakatentwurf. Entwurf Heinz Traimer
Vorarlberger Illwerke AG - Anleihe 1966. Plakatentwurf. Entwurf Heinz Traimer
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Vorarlberger Illwerke AG - Anleihe 1966. Plakatentwurf von Heinz Traimer.

Für die Vorarlberger Ill-Werke Aktiengesellschaft (VIA) entstanden die zwei elegantesten Motive.

Eine Anleihe (Abb. 190) zeigt im oberen Viertel eine hellblaue Gebirgs­landschaft mit dunkelblauen Schatten. Konkav darunter nimmt eine graue Fläche mit den weißen Lettern „VIA“ die Bildmitte ein. Noch am unteren linken Eck schließt sich eine hell­blaue Fläche an. In dieser steht: „Vorarlberger Ill-Werke A. G.. 6 % Anleihe 1966. Zeich­nungen vom 29. November bis zum 5. Dezember“.

Abstrahiert ist hier also eine winterliche Landschaft mit dem Stausee der Illwerke zu sehen.

Es ist möglich, dass die weißen Buch­staben auch das über die Mauer fließende Wasser symbolisieren sollen.

 

Werbebotschaft und Bild ergeben eine stimmige Einheit. Plakativ im wahrsten Sinne des Wortes liest man VIA und 6%-Anleihe.

 

Das Motiv folgt am ehesten in seiner Sachlichkeit der Plakatkunst der 1920er Jahre. Noch reduzierter ist ein zweiter Entwurf (Abb. 189), der dieses Mal aber die Berglandschaft weglässt. Schwungvoll zieht sich hier die angedeutete Staumauer von der gesamten rechten Länge nach der Mitte am linken Rand hin. Auf dem weißen Hintergrund kommt das Hellblau der Mauer und das Dunkelblau mit den Lettern „VIW“ für Vorarlberger Illwerke besonders schön zur Geltung.

Die Grafik weist mit ihren konvexen und konkaven Linien eine besondere Dynamik auf. Passend zur schlichten Grafik wurden die serifenfreien Buchstaben der Typographie gewählt.

 



Bundesanleihe 1966 und 1967

Anleihen der Republik Österreich - Investitionsanleihe


picture bond of austria 1966 republic of austria heinz traimer
Bundesanleihe Österreich 1966. Plakatentwurf von Heinz Traimer.
bond of the republic of austria 1966 poster by traimer
Bundesanleihe der Republik Österreich 1966. Umgesetzter Plakatentwurf.

Die Bundesanleihe 1966 (Abb. 191) liegt in der Sammlung ebenfalls in gedruckter Form (Tageszeitung) vor.

Lediglich die Buchstaben „B“ und „A“ sowie „6 %“ dienen als „Eyecatcher“. Diese Schrift, die der Times New Roman ähnelt, scheint dieselbe wie beim [ 1] zu sein.

Hier ähneln sich die Gestaltungsmerkmale. Das „A“ trägt auf seinem Serifen links das „B“ und rechts die in die Länge gezogenen „6 %“. Der Hintergrund ist schlicht weiß. Darunter steht verschwindend klein „Bundesanleihe 1966. Zeichnungen 25. – 29. April“.

Mit Österreichbezug präsentiert sich die nächste Anleihe (Abb. 192). Ein „b“ ist in fast halbseitiger Größe in rot-weiß-rot, Österreichs Nationalfarben, wiedergegeben.

Durch seine Punze hängt sich das kleine schwarze „a“ ein. Beide Buchstaben dominieren die gesamte Grafik. Am oberen Rand finden sich weitere Informationen zu dieser Anleihe.

 

Diese Anleihen entsprechen durchaus der Linie des Grafikers Julius Klingers, der für die Österreichische Nationalbank in der ersten Republik, beziehungsweise für den Völkerbund Anleihen entworfen hat.[2] Hierbei verwendete Klinger 1933 für eine dieser Anleihen lediglich ein großes, gezeichnetes schwarzes „Ö“[3] auf einem weißen Hintergrund. Es wurde nur noch mit den Worten „Treffer - Anleihe – Zeichnungsfrist“ versehen. Außer den Farben schwarz und weiß kommt dabei nur noch rot hinzu.[4]



[1] Vgl. Abschnitt II.3.2.1.

[2] Vgl. die Abbildung des Plakats „Völkerbund-Anleihe“ in: Kos 2010, S. 24.

[3] Vgl. das Plakat „Ö“ – Anleihe von 1933 für die Nationalbank. In: Plakatarchiv der ÖNB Sign. 16304850.

[4] Zum Klinger Plakat siehe die Beschreibung von Georg Rigele in: Kos (Hg.) 2010, S. 401.

 



Anleihen der Gemeinde Wien


Pfandbriefe und Kommunalschuldverschreibungen der Wiener Hypothekenanstalt. Plakatentwurf um 1958 von Heinz Traimer (Zentralsparkasse der Gemeinde Wien).
Pfandbriefe und Kommunalschuldverschreibungen der Wiener Hypothekenanstalt. Plakatentwurf um 1958 von Heinz Traimer (Zentralsparkasse der Gemeinde Wien).

Ende der 1950er Jahre dürfte die Grafik zur Bewerbung der „Pfandbriefe[n] und Kommunalschuldverschreibungen“ (Abb. 193) durch die „Zentralsparkasse“ entstanden sein.

Auf moos­grünem Hintergrund streckt eine stilisierte Hand Zeigefinger und Daumen aus. Auf der Handinnenseite wurde das Wappen der Gemeinde Wien angebracht. In weißen Buchstaben darüber steht „Pfandbriefe und Kommunalschuldverschreibungen der Wiener Hypotheken­anstalt“.

 

Eine kurze Erläuterung zu den Einzelheiten findet sich neben und unter der Hand. Es ist davon auszugehen, dass diese Werbebotschaft eher an den kleinen Sparer gerichtet war, denn an Vermögende wie bei der Bundesanleihe.

 



Investitionsanleihe der Republik Österreich 1966 und 1967

Inserate in Tageszeitungen, Magazinen werben für die Anleihe


Die Investitionsanleihen für 1967 und 1968, die ebenfalls in Tageszeitungen und Magazinen erschienen, sind aufwendiger gestaltet.

Hier kommt die Fotografie zum Einsatz. Es handelt sich um eine einheitliche Serie von Inseraten, die aufwendiger Vorbereitungen bedurften. So sind zahlreiche Fotografien noch vorhanden. Das Format ist hierbei der Längs­seite eines Magazins oder Tageszeitung geschuldet.

Sehr schmal und hoch präsentieren sich in den oberen zwei Dritteln die Motive und darunter die Schlagzeile, der Werbetext. „Man umwirbt Sie mit allen Mitteln“ (Abb. 194) folgt. Das Motiv zeigt eine Frau, die auf einem nicht identifizierbaren Gegenstand sitzt. Ihre Beine sind frei zu sehen und die Knie berühren einander. Beide Hände hält sie offen vor sich. Ihr absolut modisches Kleid ist der französi­schen Mode geschuldet. Neben der Frau taucht als Montage aus einem Fernsehergerät eine Giraffe auf. Welchen Sinn das Arrangement ergeben mag, bleibt wohl dem Betrachter über­lassen. Die Frauenfotografie jedenfalls stammt aus einem französischsprachigen Magazin und ist ebenso wie die Giraffe, die einem Buch entnommen (herausgerissen) zu sein scheint, in der Sammlung Traimer vorhanden.  







Investitionsanleihe der Republik Österreich 1968


poster plakat affiche bond republic of austria
Kaufen Sie die Investitionsanleihe ... und Ihr Schilling wächst. Republik Österreich.

„Kaufen Sie die Investitionsanleihe 1968“, ist eine geglückte Kombination von Werbebotschaft und Bildmotiv.

Eine Frau (Abb. 195) in Kostüm mit Kappe auf dem Kopf, auf der ein großes „i“ angebracht ist, hält mit einem Arm drei gedruckte Anleihen in die Höhe. Dabei durchbricht sie die mittig angebrachte Botschaft: „Kaufen Sie die Investitionsanleihe 1968 … und ihr Schilling wächst“.

Selbst ohne Text vermittelt die Frau mit einem Lächeln auf den Lippen und der „i“-Kappe ein prägnantes leicht lesbares Bild.